Catalunya. Gegen die franquistische Justiz — Ziel Unabhängigkeit

Am 14. Oktober 2019 verurteilte das Höchste Gericht des Spanischen Staates wegen der Durchführung des Referendums über die Unabhängigkeit vom 01.10.2017 neun der angeklagten Aktivistinnen und Aktivisten zu rund 100 Jahren Gefängnis.

sentencias

  • Oriol Junqueras, stellvertretender Präsident: 13 Jahre
  • Carme Forcadell, Präsidentin des Parlaments: 11 Jahre 6 Monate
  • Jordi Turull, Ministerpräsident: 12 Jahre
  • Raül Romeva, Außenminister: 12 Jahre
  • Dolors Bassa, Ministerin für Arbeit, Soziales und Familie: 12 Jahre
  • Joaquim Forn, Innenminister: 10 Jahre 6 Monate
  • Josep Rull, Territorial-Minister: 10 Jahre 6 Monate
  • Jordi Sanchez, ANC-Präsident: 9 Jahre
  • Jordi Cuixart, Omnium cultural: 9 Jahre
  • Ein Euro-Haftbefehl gegen Präsident Carles Puigdemont wurde wieder erlassen.

Das Urteil löste bei vielen, die unter Demokratie das Gegenteil von dem verstehen, was die Führer der EU meinen und tun, Bestürzung und Empörung aus. Der frührere Ministerpräsident Schottlands Alex Salmond sagte, es würde zum Tod des Spanischen Staates führen. Der frühere Offizier der Spanischen Streitkräfte Luis Gonzalo Segura, bekannter Kritiker der Spanischen Staatsstrukturen, analysiert das Urteil und die Justiz, die es sprach: https://deutsch.rt.com/meinung/93565-perverse-urteil-gegen-fuhrer-katalanischen-unabhangigkeitsbewegung/

In Catalunya brach das Urteil eine gewisse Lähmung, die die Repression der vergangenen2 Jahre erzeugt hatte. So waren am 11.9., dem Nationalfeiertag, nur ca. 7 — 800.000 auf der Demo in Barcelona. Eine Razzia von Spezialkommandos der Guardia Civil am 23.09. gegen Aktivisten der CDR sollte weiter einschüchtern, verstärkte aber nur die Wut. Spontan gingen in der Provinz tausende auf die Straße.

Für die Urteilsverkündung gab es einen Internet-Aufruf des „Tsunami Democratic“. Damit gelang es in nur wenigen Stunden Zehntausende auf den Weg zur Blockade des Flughafens von Barcelona zu mobilisieren. Er konnte zu großen Teilen lahmgelegt werden.

Der „Tsunami Democratic“ wurde am 18.10. vom franquistischen Sondergericht für öffentliche Ordnung zur Terrororganisation erklärt. Alle Web-Kontakte wurden gesperrt. Gegen die Flughafenblockade ging die Polizei sehr hart vor. Die aus Madrid beorderte Staatspolizei, Guardia Civil und Policia National verwendete die in Catalunya verbotenen Gummigeschosse.

Auch im Zentrum Barcelonas und zahlreichen Städten und Dörfern gingen die Menschen auf die Straße, verließen Arbeitsplätze, Unis und Schulen, blockierten Straßen und Autobahnen. Am Tag darauf begannen die Märsche für die Freiheit (Marxes per la llibertat), zu denen der ANC und die Unabhängigkeitsbewegung Omnium aufgerufen hatten. Von Tarragona im Süden, Tàrrega im Westen, Berga im Norden, Vic im Zentrum und Girona im Nordosten setzten sich Zehntausende in Bewegung, um in 3 Tagen die je etwa 100 km nach Barcelona zu marschieren.

L'inici de les Marxes per la Llibertat en imatges

 

Abends begannen in Barcelona die ersten Straßenkämpfe nach Provokationen der Polizei, und es wurden Barrikaden gebaut. In den nächsten Tagen setzten sich die Massenaktionen fort, zigtausende Studenten und Studentinnen nahmen teil. Überall im Land wurden wichtige Straßen blockiert.

Am 17.10. ließ die Polizei eine Demo von Spanischen Faschisten zu.

Daraufhin eskalierten die Auseinandersetzungen, das gesamte Zentrum Barcelonas wurde zum Aufstandsgebiet. In kleinen Seitenstraßen wie in den großen Avingudas brannten über 40 Barrikaden.

Am 18. trafen die Märsche ein in Barcelona, am Tag des landesweiten Generalsstreiks.

Bildergebnis für marxes per la llibertat

 

Resumée der letzten Tage: 58 verletzte Journalist/innen, 264 verbrannte Autos, 28 in Untersuchungshaft, 4 Demonstrant/innen haben ein Auge verloren, 600 zum Teil schwerst verletzte Demonstrant/innen. Stimmen von Demo-Teilnehmern: „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder erschlagen werden oder im Gefängnis sitzen“. Bei der Blockade des Polizeipräsidiums: „Verwandelt es in eine Bibliothek!“ Ein Demonstrant zum Barrikadenbau: „Wenn ich mich nicht selbst verteidige, geht es mir wie dem Jungen in Tarragona“ (der von einem Polizeiwagen überfahren wurde und mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus ist).

Die Rednerin der Katalanischen Gewerkschaft beendete ihre Rede mit dem Aufruf:

„Es lebe Catalunya (…), es lebe die Volksrepublik der arbeitenden Menschen!“


https://www.ara.cat/judici-presos-politics-1-octubre/sentencia-proces-presos-politics-tribunal-suprem-marchena-oriol-junqueras-jordi-sanchez-cuixart-turull-josep-rull-raul-romeva-joaquim-forn-carme-forcadell-dolors-bassa-santi-vila-carles-mundo-meritxell-borras_0_2321767925.html

https://www.lavanguardia.com/politica/20191019/471052088411/independentismo-marxes-llibertat-protestas-disturbios.html

https://www.ccma.cat/324/linici-de-les-marxes-per-la-llibertat-en-imatges/noticia/2955878/

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