Bäume abgesägt: Weimarer Erinnerungsprojekt an Todesmärsche attackiert

An der Route der Todesmärsche des KZ Buchenwald pflanzt die Lebenshilfe seit 1999 Bäume. Sie erinnern auch an die Morde im Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten und wurden nun Ziel einer Attacke.

Unbekannte Täter haben in der Grünanlage Kromsdorfer Straße/Andersenstraße fünf Bäume zerstört, die an Buchenwald-Häftlinge erinnern. Entdeckt wurde dieser schwere Fall von Vandalismus von Mitarbeitern des Kommunalservice Weimar. Es handelt sich ausschließlich um Bäume, die im Rahmen des Gedenk-Projektes „1000 Buchen“ durch das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda gepflanzt wurden. Laut Lebenshilfe-Werk wurden vier Bäume unterhalb der Krone mit Gewalt abgebrochen. Eine weitere Krone sei abgesägt worden.

Politisch motivierter Hintergrund wird vermutet

Da die betroffenen Bäume alle mit einer Gedenktafel für ehemalige Buchenwald-Häftlinge versehen sind, ist ein politisch-motivierter Hintergrund nicht auszuschließen, so das Lebenshilfe-Werk. Einer der zerstörten Bäume erinnert an Kurt-Julius Goldstein, deutscher Jude, Kommunist und Widerstandskämpfer, ein anderer an Danuta Brzosko-Mędryk, polnische Widerstandskämpferin, Friedensaktivistin und Schriftstellerin. Ein weiterer Baum erinnert an die über 27.000 Frauen und Mädchen in den Außenlagern des KZ Buchenwald.

Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine reagierte entsetzt auf diesen Vandalismus und verurteilte ihn auf das Schärfste. Um das Lebenshilfe-Werk weiter beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu unterstützen, wird die Stadt Weimar Bäume für Ersatzpflanzungen zur Verfügung stellen.

„Es war nicht der erste Fall von Vandalismus“, sagte Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende des Lebenshilfe-Werks, Rola Zimmer MDR-THÜRINGEN auf Nachfrage. Zu Jahresbeginn waren die Gedenkschilder von zwölf Bäumen in der Ettersburger Straße herausgerissen und im Wald verscharrt worden.

„Es ist kein Zufall, dass immer wieder unsere Bäume betroffen sind. Wir gehen von gezielten, politisch motivierten Taten aus und haben natürlich Anzeige erstattet“, so Rola Zimmer.

Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus

Das Lebenshilfe-Werk hat das integrative Gedenkprojekt „1000 Buchen“ im Weimarer Kulturstadtjahr 1999 ins Leben gerufen – zur Erinnerung an die Todesmärsche aus Buchenwald sowie die Opfer des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten zur Ermordung „unwerten Lebens“.

Entlang der ehemaligen Marschroute der Häftlinge entsteht Stück für Stück ein lebendiger Erinnerungsweg, versinnbildlicht durch Bäume, die Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam pflanzen und durch Baumpatenschaften finanzieren. Die betroffenen Bäume sollen ersetzt werden, sobald es die Witterung im Herbst erlaubt. Einen Baum zu pflanzen und durch den Landwirtschaftsdienst des Lebenshilfe-Werks zu pflegen kostet rund 400 Euro.

SPD Thüringen verurteilt die Tat

Auch die SPD in Thüringen verurteilte die wiederholten Beschädigungen am Gedenkprojekt. Wer die Auseinandersetzung mit Gewalt statt Worten wähle, habe nicht verstanden, welche Rolle Menschenrechte und Demokratie in unserer Gemeinschaft spielen, sagte die SPD-Politikerin Diana Lehmann. Eine lebendige Erinnerungskultur und Projekte wie diese seien wichtig, um deutlich zu machen, welche Verantwortung wir noch heute für die Taten des NS-Regimes und seiner Anhänger tragen.

 

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Beitrag war von drei zerstörten Bäumen die Rede. Diese Zahl wurde später auf fünf korrigiert.


https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/weimar/gedenkbaeume-weimar-beschaedigt-100.html?fbclid=IwAR1-OF4ucxaMLfPx_Kq7GoBOwtbgCyqZENMFqpMDjGRzi-ghPf3lYuOpbqU

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