Nakba-Tag, 15.05.19: Kundgebung in Hamburg

Auch wir haben am 15.05. der Nakba gedacht, und dazu eine Kundgebung in Hamburg veranstaltet. Wir alle drücken unsere Solidarität aus mit dem Leid und dem Widerstand der palästinensichen Bevölkerung, während ebendiese Solidaritätsbekundung zunehmend auch legislativ diffamiert und letztendlich illegalisiert wird.

Wir verlasen zu diesem Anlass unseren Text vom letzten November. Als Eröffnungsrede folgender Text:

Den Ghettokämpfern (Rede zur Eröffnung, nopasaranhamburg)

Freundinnen und Freunde, seid gegrüßt zur Kundgebung im Gedenken an die Vertreibung von hunderttausenden Palästinensern vor 71 Jahren.

„Der Antifaschismus ist international oder gar nicht“ – so haben wir vor einigen Monaten ein Flugblatt überschrieben, das wir aus gegebenem Anlaß verfassten. Das meint, daß Faschismus keine nationale, keine besondere Angelegenheit dieses Landes ist, sondern eine internationale und daß so gegen ihn zu arbeiten ist. Die Trump und Bolsonaro in den beiden Amerikas; das post-franquistische System in Spanien, das tausende Katalanen niederknüppelt und deren gewählte Politiker einsperrt; Netanjahus Apartheidstaat, dessen Soldaten die Erschießung eines Palästinensers fröhlich feiern; die NATO-Ukraine, deren Nazi-Bataillone unter der Hakenkreuzfahne die Menschen in den Donbass-Volksrepubliken bombardieren… Dass der Antifaschismus international sein muss – das ist unser Grundsatz und Grundlage unseres Handelns.

Fidel Castro hat gesagt: „Mit Chauvinismus gibt es keinen wirklichen Internationalismus, und ohne Internationalismus gibt es keine Rettung für die Menschheit.“ Chauvinismus, das ist die Behauptung einer Überlegenheit, einer Auserwähltheit; das ist nationaler Wahn oder auch Größenwahn – „Deutschland über alles“, oder Europa, oder die weiße Rasse, dieser Dreck.

Wir sind hier, in St.Georg, in einem Stadtteil, in dem es viele Stolpersteine gibt, jene Messingsteine im Gehweg, die erinnern an Menschen, die von den Faschisten ermordet wurden – Humanisten, Antifaschisten, Roma, Homosexuelle, und vor allem Juden… viele zuerst deportiert in ein Ghetto und von dort in ein Vernichtungslager.

Genossinnen und Genossen, daran zu erinnern ist unsere Pflicht; wir tun das seit 7 Jahren, als wir begriffen, daß hier – so wie damals die Nachbarn meist zuschauten -, daß hier die meisten davon wegdenken. Ein Gewissen haben die meisten Deutschen nur, wenn sie es notwendig finden, hat eine Freundin von mir mal gesagt…

Genossinen und Genossen, in diesen Maitagen vor 76 Jahren kämpften im Warschauer Ghetto die Frauen und Männer der Zydowska Organizacja Bojowa, der Jüdischen Kampforganisation ZOB in den Ruinen und auf den Trümmern gegen die faschistischen deutschen Mörder aus Wehrmacht und SS und deren Helfer, Bandera-Ukrainer und baltische Faschisten, ja, jene die dort heute Nationalhelden sind. Am 8. Mai 1943 spürten die Faschisten den Stab der ZOB auf und vernichteten ihn, aber die Überlebenden kämpften organisiert weiter.

Am 19. April 1943 hatten sich nicht mal tausend Frauen und Männer der ZOB erhoben und die in das Ghetto eindringenden SS-Truppen angegriffen, mit wenigen Schußwaffen und Handgranaten, mit selbstgebauten Bomben, mit Äxten, Hämmern, mit allem, was sie hatten. Sie erhoben sich, um Menschen zu sein. Sie hielten dem Feind über Wochen stand, auch als der das Ghetto niederbrannte, Bomben warf und Giftgas einsetzte.

Es waren nicht, wie oft gesagt wird, Verzweifelte, es waren Menschen, die leben wollten, viele von ihnen Kommunisten und Sozialisten. Am 1.Mai 1943 wehten über den Ghettoruinen Rote Fahnen neben denen der ZOB. An jenem 1.Mai war nicht die Zeit für Aufrufe; überliefert ist der Maiaufruf der revolutionären Ghettozeitung „Morgen Fraj“ von 1941, aus dem ich zitiere:

„Ein – zwei – ein- zwei, drei, vier, Hunderte und Tausende, Millionen Kämpfer für die Freiheit Asiens, Afrikas, Amerikas, weiß-, rot- und schwarzhäutige.

In dicht geschlossenen Reihen, wie gewaltige Riesen, nähern sie sich uns, überfluten wie eine riesige Welle das europäische Festland und spülen die faschistische Pest hinweg, die wie eine Seuche ganz Europa beherrscht. …

(Sie) geben uns Mut, geben uns neue Hoffnung, daß der Tag nahe ist, an dem auch wir in ihren Reihen marschieren werden, an dem auch wir unsere Stimmen in dem großen Ruf erheben: ‚Wir werden siegen!‘“

Die Ghettokämpfer werden niemals vergessen werden von Menschen, die kämpfen gegen Entrechtung, Unterdrückung, Tod, für das Leben, die Freiheit, die Würde, dafür, Menschen zu sein. Die Feinde der Menschheit werden nicht durch kommen!

NO PASARAN!

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