Moshe Zuckermann im Interview auf WDR 5

http://wdr5neugiergenuegtredezeit.radio.de/

Folge vom 19.10.

„Es gilt nämlich, zu unterscheiden von einem real existierenden Antisemitismus in Deutschland, da redet Wolfgang Benz von einem Bodensatz von 20%, das es schon seit Jahrzehnten in Deutschland gibt, und diesen Bodensatz gilt es zu bekämpfen. Übrigens nicht gesondert, sondern zusammen mit der Bekämpfung von Rassismus, Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit, von jeder Art von Ausgrenzung und so weiter und so fort. Das ist emanzipatives Denken. Das muss unterschieden werden von der Vereinnahmung des Vorwurfs des Antisemitismus, zu Zwecken, die gar nix irgendwie mit der Antisemitismusbekämpfung zu tun haben, sondern zu Zwecken die mit der deutschen Befindlichkeit, die in der Tat sehr oft reflexartig daherkommt, weil in der Tat sehr viel noch nicht aufgearbeitet ist zwischen Juden und Deutschen. Und genau an dieser Stelle würde ich dann sagen, bevor ihr eine Kippa auf den Kopf setzt, überlegt mal genau, was sind eigentlich die Prioritäten? Und ich würde sagen, die Tatsache, dass man aufgerufen hat zum Kippatragen bei diesem Vorfall, aber niemand aufgerufen hat irgendwie sich mit Schwarzen, die in Ostdeutschland getötet worden sind, also nicht nur irgendwie angegangen, sonden getötet worden sind, zu solidarisieren, gibt mir doch zu denken.“

„Es geht darum, dass ein Menschheitsverbrechen (…) für solche Alltagsgeschichten wie — ja, Kippa tragen — nicht Kippa tragen — verwendet wird, und zwar mit derselben Emphase und Brustton, als würden die Juden gerade wieder deportiert werden; und ich möchte in der Tat auch als der Sohn von Überlebenden, dessen 90% seiner Familie in Auschwitz umgekommen sind, nicht, dass das so banalisiert wird. (…) Ich bin ja in einem Zuhause aufgewachsen, wo die Überlebenden aus dieser Hölle rausgekommen sind, das möchte ich nicht banalisiert sehen.“

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